8. Mai 2017
Erik Schiller
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Usability priorisieren mit dem CUI

Ausgangspunkt – Let‘s get started!

In einem früheren Blogbeitrag habe ich den Custom Usability Index vorgestellt. Mit dem Index hat man die Möglichkeit die Usability in Softwareentwicklungsprojekten zu tracken. In diesem Blogbeitrag möchte ich tiefer ins Detail gehen und erklären, welche Schritte notwendig sind, um den CUI zu verwenden.

cui-projektverlauf-saxonia-systems

Die oben abgebildete Grafik zeigt die Verwendung des CUI im Projektverlauf und soll als Grundlage für die weitere Betrachtung dienen.

Zielzustand der Kategorien – Wünsch dir was!

Spätestens zum Projektstart sollten die gewünschten Zielzustände der CUI-Kategorien feststehen, d.h. die verantwortlichen Stakeholder müssen eine Aussage darüber treffen, was in ihren Augen der Optimalzustand ist. Dieser kann von Projekt zu Projekt unterschiedlich sein wie folgendes Beispiel zeigen soll. Nehmen wir uns die Kategorie Individualisierbarkeit. Diese sagt aus, dass das System flexibel genug ist, um verschiedene Herangehensweisen zur Erledigung einer Aufgabe zu unterstützen. Der Nutzer soll das System an seine Vorerfahrungen, Kultur und Bedürfnisse anpassen können. Die Beschreibung könnte dann wie folgt aussehen:

  • Projekt 1: Der Optimalzustand der Kategorie Individualisierbarkeit wäre, dass der Nutzer vom ersten Start der Anwendung an verschiedene Erfahrungslevel einstellen kann und sich das System automatisch danach anpasst.
  • Projekt 2:  Der Optimalzustand der Kategorie Individualisierbarkeit wäre, dass der Nutzer einen Expertenmodus aktivieren kann, welcher weitere Einstellungsmöglichkeiten im System aktiviert.

Die unterschiedlichen Optimalzustände haben zur Folge, dass im obigen Beispiel in Projekt 2 leichter die Maximalbewertung vergeben werden kann als in Projekt 1. Bei den Beschreibungen der Zielzustände ist es von Vorteil die tatsächlichen Nutzer, beispielsweise den Fachbereich eines Unternehmens, für welchen die neue Anwendung erstellt werden soll, einzubeziehen. Dadurch wird gewährleistet, dass die Usability-Anforderungen nicht an den Haaren herbeigezogen sind und die tatsächliche Anwendung perfekt auf den Endnutzer abgestimmt wird. Ein allgemeiner Merksatz hierbei: Je konkreter die Formulierung des Wunschzustandes, desto besser die späterer Messergebnisse!

CUI-Priorisierung – Aber es ist doch alles wichtig?!

Wenn der Zielzustand für alle CUI-Kategorien feststeht kann es in der Praxis häufig zu dem Problem kommen, dass ein großer Wunschkatalog aufgebaut wurde und die verantwortlichen Auftraggeber Angst vor großen Kosten haben oder eventuell andere betriebswirtschaftliche Ziele mit der Systementwicklung verfolgen. Um dies zu berücksichtigen ist im nächsten Schritt eine Priorisierung der CUI-Kategorien notwendig. Dazu sollen folgende Fragen unterstützen:

cui-fragebogen-saxonia-systems

Die in der obigen Tabelle dargestellten Fragen sollen dem Usability-Experten als Leitfaden für das Interview mit dem Kundenverantwortlichen dienen. Die Antworten des Kunden müssen dabei in Zahlen übersetzt werden. Für die CUI-Priorität wird die Fibonacci-Reihe verwendet (1, 2, 3, 5, 8, 13, …, soweit nötig). Je höher die Zahl desto wichtiger ist die Kategorie für das Projekt.

Falls sich der Auftraggeber schwer tut eine direkte Aussage über die Wichtigkeit der Kategorien zu treffen bietet sich auch die aus dem agilen Umfeld kommende Magic Estimation Schätzungsmethode an. Hierbei werden die einzelnen Kategorien kurz vorgestellt und dann nach Wichtigkeit sortiert. Durch das Vergleichen fällt es oft leichter eine Priorisierung festzulegen.

<Vorbereitung> CUI </Vorbereitung> – Darf ich jetzt endlich loslegen?

Ja! Es ist nun einerseits die inhaltliche (Zielzustände der Kategorien) sowie die geschäftliche Voraussetzung (CUI-Priorisierung) geschaffen, um die ersten Usability-Tests durchzuführen. Alle beteiligten Stakeholder wurden automatisch für das Usability-Thema sensibilisiert und (hoffentlich) begeistert.

Erik Schiller ist Wirtschaftsinformatiker (M.Sc.) und arbeitet als Business Analyst für die Saxonia Systems AG. Als fachlichen Schwerpunkt beschäftigt er sich mit der Usability und User Experience in der Softwareentwicklung. Darüber hinaus ist er in verschiedenen Projekten der Energiewirtschaft tätig und hat dabei stets ein offenes Ohr für den Nutzer.

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