25. April 2016
Ringo Liebscher
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SAP Fiori – Apps für das ERP

Fiori ist die wichtigste Technologie für moderne SAP-Benutzeroberflächen in den nächsten Jahren. Sie umfasst weit mehr als hübsche Oberflächen-Elemente: die Umsetzung der App-Philosophie, anwendungsübergreifende Funktionen sowie ein durchdachter Entwurfsprozess führen zu mehr Effizienz und weniger Hürden bei der Bedienung von SAP-Anwendungen.

Web Apps für alle Geräte

Fiori präsentiert dem Nutzer SAP-Anwendungen in Form von Apps. Für wichtige Funktionen gibt es bereits einige hundert Standard-Apps von SAP, beispielsweise für die Bereiche Finanzen, Logistik oder CRM. SAP-Kunden und Dienstleister können darüber hinaus eigene Fiori Apps entwickeln.

Fiori Apps sind Webanwendungen, die nicht nur auf jedem Desktop PC, sondern auch auf allen aktuellen Tablets und Smartphones verwendet werden können. Dies bedeutet, dass die Bedienung auch ohne Maus und Tastatur möglich sein muss, mit Fingern und Bildschirmtastatur. Je nach Format des Displays wird die Benutzeroberfläche automatisch angepasst (Responsive Design). Außer einem Browser ist keine andere Software auf dem Endgerät erforderlich.

Die folgende Bildergalerie vermittelt einen ersten Eindruck des typischen Looks von Fiori Apps. Die Screenshots zeigen eine von Saxonia Systems entwickelte, zertifizierte Fiori App für die Erfassung von Zählerständen in der Energiewirtschaft.

sap-fiori-app-1@saxonia-systems

sap-fiori-app-4@saxonia-systems

Einheitliche Gestaltung

Mit Fiori Apps soll eine intuitivere Bedienung von SAP-Anwendungen erreicht werden. Eine entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass SAP einheitliche Richtlinien für die Gestaltung der einzelnen Apps durchsetzt – sowohl für die Standard-Apps, als auch für Apps von Dienstleistern, wenn diese zertifiziert werden.

Um die Verwendbarkeit auf allen Geräten und die einheitliche Gestaltung zu erreichen, werden Fiori-Oberflächen mit einem bestimmten Framework entwickelt: SAPUI5, ein Anwendungs- und UI-Framework auf Basis der populären Open-Source-Bibliothek jQuery.

Der Schlüssel zu einer guten Bedienbarkeit liegt jedoch nicht nur in der optischen Gestaltung, sondern vor allem in der engen Orientierung am Arbeitsprozess des Nutzers. Für dessen Analyse und die passende Gestaltung der Benutzeroberfläche existiert seit einiger Zeit der Ansatz des „User Centerd Design“. SAP nutzt diese Vorgehensweise konsequent und schreibt sie auch für zertifizierte Drittanbieter-Apps vor.

Rollenbasierter Zuschnitt

Die Orientierung am Arbeitsprozess des Nutzers führt zu einem weiteren Unterschied zwischen Fiori Apps und bisherigen SAP-Transaktionen: eine Fiori App bedient idealerweise einen einzigen Anwendungsfall und ist für eine einzige Nutzergruppe konzipiert. Ein Nutzer mit anderen Ansprüchen bekommt eine andere App. Dadurch wird die Überfrachtung von Anwendungen mit von einigen Nutzern nicht benötigten Funktionen vermieden.

App-übergreifende Funktionen

Eine Sammlung getrennter Apps ist für geschäftliche Anwender nur die zweitbeste Lösung. Durch Verknüpfungen und anwendungsübergreifende Funktionen lässt sich ein deutlicher Mehrwert erzielen. Das Fiori-Konzept unterstützt zum einen Absprünge von einer App in eine andere, vergleichbar mit der bei SAP schon lange typischen Vorwärtsnavigation. Wird beispielsweise in einer App zur Verwaltung von Kundenaufträgen eine Kundennummer angezeigt, so kann der Anwender mit einem Klick darauf in die an sich getrennte App zur Pflege von Kundendaten wechseln und sieht dort sofort die Detaildaten dieses Kunden. Voraussetzung dafür ist die entsprechende Berechtigung des Anwenders.

Darüber hinaus erfolgt der Start aller Fiori Apps aus einem einzigen Einstiegspunkt, dem Fiori Launchpad. Dieses zeigt dem Anwender alle entsprechend seiner Nutzerrolle verfügbaren Apps thematisch gruppiert als Kacheln an. Die Kacheln können dem Nutzer bereits wichtige Informationen zu dringenden Aufgaben oder aufgetretenen Problemen liefern, dies geschieht durch Zahlen und Symbole, die regelmäßig aktualisiert werden, ohne dass der Nutzer dazu eine App starten muss.

Das Fiori Launchpad bietet zudem eine anwendungsübergreifende Suchfunktion, die allerdings nur mit SAP HANA Datenbank genutzt werden kann.

sap-fiori-app-6@saxonia-systems

Abbildung 1: Fiori Launchpad – Dynamische Informationen auf Kacheln

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Abbildung 2: Fiori Launchpad auf Smartphone

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Abbildung 3: Anwendungsübergreifende Suchfunktion im Fiori Launchpad (mit SAP-HANA-Datenbank)

sap-fiori-app-9@saxonia-systems

Abbildung 4: Hilfefunktion im Fiori Launchpad mit klickbaren Hotspots

Technische Voraussetzungen

Fiori Apps werden auf dem bewährten SAP NetWeaver Application Server ABAP ausgeführt. Typisch ist die Verwendung eines separaten Frontend-Servers, von dem aus Apps auf Daten aus mehreren SAP-Systemen zugreifen können (z. B. ERP, CRM, BW). Jedes in den letzten Jahren aktualisierte SAP-System bringt die notwendigen Komponenten grundlegend mit. Um alle Standard-Apps oder aktuelle Drittanbieter-Apps ausführen zu können, kann jedoch eine Aktualisierung der betreffenden Komponenten erforderlich sein.

Fiori Apps erfordern spezielle Berechtigungen, andernfalls sieht der Nutzer nur ein leeres Launchpad. Die Planung und Zuweisung der nötigen Berechtigungen ist eine wichtige Aufgabe im Rahmen einer Fiori-Einführung.

Für den Betrieb von Fiori-Anwendungen entstehen keine zusätzlichen Lizenzkosten, wenn für jeden Fiori-Nutzer bereits ein SAP-Dialog-User lizensiert ist.

Fazit

Fiori Apps bieten eine Reihe von Verbesserungen gegenüber bisherigen SAP-Anwendungen, sie sind jedoch kein Allheilmittel und bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich.

Einige Stärken von Fiori Apps sind:

  • verwendbar auf allen Geräten mit aktuellem Browser, ohne zusätzliche Installation
  • weniger Einarbeitungsaufwand und weniger Bedienprobleme, v.a. für Erst- und Gelegenheitsnutzer
  • übersichtliche Bedienoberflächen durch User Centered Design und dynamisch angepasste Bildschirmelemente
  • gute Übersicht zu Aufgabenumfang und -status durch dynamische Kacheln im Launchpad
  • in der Regel performanter und weniger lasterzeugend als Web-Dynpro-Anwendungen.

 

Schwächen und Probleme können entstehen durch:

  • Verwendung auf mobilen Geräten eingeschränkt durch unbedingt erforderliche Internet-Verbindung (es gibt jedoch auch offline-fähige Fiori Apps)
  • besondere Aufmerksamkeit auf Cache-Einstellungen erforderlich, damit Nutzer keine veralteten Anwendungen oder Daten sehen
  • Aufwand für erforderliche Systemkonfiguration und ggf. zusätzlichen Frontend-Server muss dem Nutzen gegenüber gestellt werden.

 

Im Folgeartikel beleuchten wir die technischen Aspekte der Entwicklung und des Betriebs von Fiori Apps.

Ringo Liebscher arbeitet als Senior Consultant in Projekten mit den Arbeitsschwerpunkten SAP-Integration und mobile SAP-Anwendungen.

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