7. September 2015
Kay Grebenstein
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Der Agile Testmanager – ein Oxymoron? (Teil 3)

Im ersten Teil und zweiten Teil wurden die Aufgaben des Testmanagers erfolgreich einer agilen Transition unterzogen und für kleine Scrum-Teams nachgewiesen, dass kein Testmanager mehr benötigt wird. Eine andere Herausforderung ergibt sich bei mehreren Scrum-Teams, die gemeinsam an einem Produkt arbeiten. Lassen sich die beschriebenen Überlegungen, welche sich alle auf ein kleines Scrum-Projekt mit einem Team beziehen, auch auf die großen Projekte übertragen?

Benötigen wir für große Scrumprojekte wieder einen Testmanager?

In vielen Unternehmen, die Scrum einsetzten, arbeiten mehrere Teams gemeinsam an der Entwicklung eines Produkts. Es gibt bereits Überlegungen zu skalierten Scrum auf Unternehmensebene und wie die agilen Prinzipien trotz wachsender Komplexität eingehalten werden können. Boris Gloger sieht dabei zwei Problemfelder: „Einhaltung des skalierten Scrum Frameworks“ und „Skalierung des Anforderungsprozesses“. Als Lösung führt er weitere Rollen ein: den Company Scrum Master und den Company Product Owner, die übergreifend die Scrum Master bzw. Product Owner des Projektes begleiten. Beide Rollen stimmen sich mit ihren Gegenstücken in den einzelnen Scrum-Teams ab und verwalten die Scrum-Werkzeuge auf Unternehmensebene wie Company Product Backlog und Company Scrumboard.

Lässt sich dieses Konzept auch auf den Test übertragen: Benötigen wir quasi einen Company Test Owner oder Company QA Master? Aufgabe dieses neuen Werkzeuges wäre die Abstimmung und Verantwortung für den übergreifenden und integrativen Testprozess, das Aufsetzen der notwendigen gemeinsamen Test-Strukturen sowie die Befüllung des Backlogs mit Stories, Tasks und Incidents rum um das Thema QA.

Abbildung 2 Abstimmungsmeeting zu QA-Fragen

Abbildung 2 Abstimmungsmeeting zu QA-Fragen

Für Projekte mit einer übersichtlichen Anzahl (2 bis 8) von Scrum-Teams lassen sich diese Koordinationsaufgaben innerhalb des übergreifenden Abstimmungsmeeting, dem Scrum of Scrums, bewerkstelligen. Sollten die Abstimmungen testspezifischer und langwieriger werden, dann sollte bei Bedarf ein eigenes Test Meeting aufgesetzt werden. Dazu wird von jedem Team ein Teammitglied mit dem notwendigen Testwissen entsandt. Ist die Anzahl der Teams größer oder müssen Abstimmungen zwischen mehreren Projekten zu QA-Themen durchgeführt werden, dann können auch hier die Gilden zum Einsatz kommen. Die Gilden sammeln Best Practice Beispiele, die Sie allen Projekten zur Verfügung stellen oder benennen Coaches, die neuen Projekten agiles Testvorgehen näherbringen. Die Gildenmeister koordinieren wichtige Entscheidungen und moderieren die Scrum Teams, sofern die Definition von gemeinsamen Regeln und Lösungen notwendig ist.

Es lässt sich festhalten, dass ein Testmanager in agilen Unternehmen auch für große Projekte nicht mehr benötigt wird. Erreicht wird dies aber nur durch die vollständige Agile Transition der Aufgaben eines Testmanagers. Denn es ist notwendig jeder Aufgabe des Testmanagers speziell auch in der Kommunikation und Abstimmung ein agiles Werkzeug gegenüberzustellen.

Kay Grebenstein ist Diplom-Informatiker und arbeitet als Testmanager für die Saxiona Systems AG, Dresden. Er hat in den letzten Jahren in klassischen und agilen Projekten unterschiedlicher fachlicher Domänen (Telekommunikation, Industrie, Versandhandel, Energie, …) Qualität gesichert und Software getestet. Die gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse stellt er auf Konferenzen, in Publikationen und auf vielen anderen Wegen vor.

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